Es
gibt wohl einige, die die geistige Nahrung der körperlichen
vorziehen. Und während die anderen an einem Snickers herumknabbern,
findet mancher interessante Gedankenkrümel zwischen den Zeilen
seines Buches.
Den Literatur-Snack gegen die Langeweile beim Warten auf Bahnstegen
oder beim engen Sitzen in der U-Bahn gibt es nicht mehr nur in
Berlin. Neben Gummibärchentüten und abgepackten Käsekuchenstücken
kann man jetzt auch kleine gelbe Heftchen aus dem Automaten ziehen.
Ein Euro für 12 bis 24 Seiten Kurzstrecke.
Die Bändchen erinnern stark an Reclam-Hefte, sind aber die
„Schöner Lesen“-Reihe des SuKuLTuR-Verlags von
Berliner und Wiener Underground-Autoren.
Die literarische Fünf-Minuten-Terrine sättigt das hungrige
Hirn mit frischen Gedanken. Man vergisst, dass man sich unter
der Erde zwischen schwitzenden Menschenmassen befindet. Und während
denen der Magen knurrt, vernimmt man nur sein eigenes kleines
Bäuerchen nach dem befriedigenden Genuss.
Das geschriebene Wort sucht sich seine Nischen. Jetzt ist es vom
Kippenpäckchen neben die Schokoriegel gewandert, reiht sich
also ein in die Riege der alltäglichen Genussmittel. Und
führt damit wieder zum Kampf zwischen Körper und Geist,
die beide befriedigt werden wollen und sich beide für existentieller
als den anderen halten. Der gemeine Esser wird zur Kopf- oder
Bauch-Entscheidung gezwungen. Aber er kann sich Zeit lassen. Bücher
haben ja kein Verfallsdatum.
Dorothee Fesel
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